Institut zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen
Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg

Schlachthofstr. 27, 58455 Witten
Postfach 6243, 58431 Witten

Tel.: 02302 / 80 19 26
Fax: 02302 / 27 82 91

E-Mail: info@infobeg.de
Internet: www.infobeg.de


Schlechte Schüler können sogar besonders begabt sein

15.03.2001

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Gesamtausgabe 03.2001

Nicht weniger als 17 Personen saßen in der Cafeteria des Krankenhauses. Alle höchst gespannt, was dieser Abend denn wohl bringen würde. Referentin war die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin, Diplom-Sozialpädagogin und Psychotherapeutin Beate Gerstenberger-Ratzeburg. Neben der Häufung an Berufsbezeichnungen ist Gerstenberger auch noch betroffene Mutter. Ihren Mann Herbert hatte sie als erfahrenen Praktiker gleich mitgebracht. Ziel ihrer Veranstaltung, so skizzierte sie, sei es, die Eltern zu sensibilisieren, dass mit schlechten Noten "dekorierte" Schüler durchaus einfach nur unterfordert sein könnten, im Unterricht gekündigt haben. Bei Gerstenberger war es so: Die Älteste war schlecht  und bei einem Test stellte sich heraus, dass sie überdurchschnittlich begabt ist. "Ich möchte hier nicht über Hochbegabte sprechen", sagte sie, "jene mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von über 130. Da falle es den Eltern meist frühzeitig auf, dass eine besondere Begabung vorliegt." Nein, ihr Thema seien die Schüler zwischen 115 und 129 IQ. Da gebe es viel Nachholbedarf, sehr viel zu tun. Unterforderung führe zu Verhaltensauffälligkeit. Eine Mutter beklagte den ewigen Kampf um die Hausaufgaben, die Lustlosigkeit beim Wiederholen, die Langeweile. Standardargument: Das Kind ist faul, aber es ist auch unterfordert. Der anwesende Psychologe Hagen Seibt, Spezialist für besonders Begabte, riet zu mehr Verantwortung, zu sinngebender außerschulischer Beschäftigung. Es gelte, den Kindern Lerntechniken zu vermitteln. "Die beherrschen sie nicht, weil ihnen immer alles zufliegt." Es entwickelte sich eine lockere Plauder-Runde, in deren Verlauf die anwesenden Eltern ihre eigenen Nöte und Sorgen schilderten, die sie zu diesem Info-Abend geführt hatten. Auch die Referentin und ihr Mann sprachen über eigene Erfahrungen. Besonders eingeschossen hatten sich einige der Teilnehmer auf die Schule, die "wenig oder keine Hilfestellung für besonders Begabte" bereithalte. Es gebe Förderunterricht, aber nicht für die Guten. Lehrer seien meist uninteressiert, weil begabte Kinder mehr Arbeit machen. Viele Fragen wurden gestellt, einige beantwortet. Wobei die berühmte Frage nach dem Überspringen einer Klasse stets ein besonderes individuelles Problem darstelle, das es gemeinsam mit dem Kind, so oder so zu lösen gelte. Weitere Angebote zur Problernlösung werden die Seminare bereithalten: Wie erkenne ich Begabung'? Wie verhalte ich mich dann'? Wo kann man einen Test machen? Vorschläge für Elternverhalten zu Hause, Kontaktadressen, Hilfe durch gemeinsames Besprechen sollen geboten werden, wobei Beate Gerstenberger-Ratzeburg auch andeutete, dass sie auf der Basis der Seminare eine eigenständige Elterngruppe ins Leben rufen möchte. "Ich sehe, jeder hat Fragen, mit denen er bisher allein war." Die beiden dreiwöchigen Kurse sollen ab 15. März oder 3. Mai, jeweils donnerstags, 18.30 bis 21 Uhr, in der Augusta Akademie, Dr. C.-Otto-Straße 27 in Linden stattfinden. Weitere Informationen sind unter der Rufnummer 51703 (Zentrale) erhältlich. (-nken)