Institut zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen
Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg

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Begabte brauchen die Herausforderung-Schlechte Noten können ein Hinweis sein

08.11.2001

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Witten 8.11.2001

Von Petra Dieckhoff   Die Einführungsveranstaltung am Dienstag war Auftakt für einen Seminarzyklus ab Februar 2002, der sich mit dem Umgang mit besonders begabten Kindern beschäftigt. Wie sehr Eltern bei diesem Thema nach Informationen und praktikablen Strategien suchen, zeigten der große Andrang und gezielte Diskussionsbeiträge. Wann schlechte Zensuren auf ein überdurchschnittlich begabtes oder sogar hochbegabtes Kind hinweisen, machte der klar strukturierte Vortrag der Wittener Fachtherapeutin deutlich. Eines der Merkmale sei ein geringeres Schlafbedürfnis der Kinder. Viele lernten früher sprechen und im Kindergarten spielten sie lieber mit den älteren Kindern. Wobei die Motorik oft schlechter entwickelt sei als die geistigen Fähigkeiten. Schon früh wollten die Kinder aus eigenem Antrieb lesen und rechnen. Später sei die Schrift oft schlecht leserlich und die Kinder litten unter Rechtschreibschwäche. Neue schwierige Wörter würden dagegen richtig geschrieben, da diese eine Herausforderung darstellten. Häufig werde dies als Legasthenie diagnostiziert. Die Kinder fühlten sich permanent geistig unterfordert. Aus lauter Langeweile spielten viele den Klassenkasper, andere versteckten ihre geistige Überlegenheit hinter extrem schüchternem Verhalten. Die Kinder fürchteten sich, ihre geistige Überlegenheit zu zeigen, um von den Klassenkameraden nicht verspottet zu werden. "Es entwickelt sich eine Spirale der schlechten Noten, die allmählich auf alle Schulfächer übergreift", sagt Gerstenberger-Ratzeburg. Appelle, mehr zu lernen, schlügen aber regelmäßig ins Gegenteil um. Die Kinder litten unter Motivationsverlust, Mutlosigkeit und Selbstzweifel. Viele würden psychisch oder physisch krank. Bereits bei Kindern mit einem Intelligenz-Quotienten von 115 seien diese Phänomene zu beobachten, bei einem Quotienten ab 130 spreche man von Hochbegabung. Die Dynamik der Folgen von Unterforderung könne durch zusätzliche Herausforderungen unterbrochen werden. Eine frühzeitige Einschulung oder das Überspringen von Klassen sei zu überlegen. Bei allem sei zu bedenken, so die Referentin, dass es keine allgemeingültigen Rezepte für den Umgang mit Kindern besonderer Begabung gebe. Wünschenswert sei eine Zusammenarbeit von Eltern, Lehrern und Erziehern. Gespräche am Elternstammtisch hätten schon vielen Eltern geholfen. Die weiteren Seminare im Vhs-Zentrum Annen beschäftigen sich unter anderem mit Problemen bei den Hausaufgaben, in der Freizeit oder mit dem Einsatz des Computers.