Institut zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen
Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg
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Westdeutsche Zeitung, Krefelder Zeitung 10.01.2004
Von Jens Höhner Sie denken nicht immer geradeaus, sondern oft „um die Ecke". Und das auch noch viel schneller als die meisten Mitschüler. „Liegt der Intelligenz-Quotient bei 115 oder sogar darüber; ändert sich die Art des Denkens völlig", erklärt Beate Gerstenberger-Ratzeburg, Therapeutin und Leiterin des Instituts zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen in Witten. Seit sechs Jahren beschäftigt sich die 43-jährige Erziehungswissenschaftlerin mit hochbegabten Schülern und bietet eine entsprechende Praxis-Betreuung an. „Schlechte Schüler müssen nicht dumm sein", so hat Gerstenberger-Ratzeburg ihren Vortrag betitelt, den sie am Dienstag,13. Januar, im Gemeindezentrum der Krefelder Auferstehungskirche an der Buschdonk 42a hält (Beginn: 19 Uhr). Und der Titel des Referats deutet bereits an: Wer hochbegabt ist, hat es im Schulalltag nicht immer leicht Die Expertin: „Hochbegabte Kinder werden oft nicht richtig gefordert und dementsprechend gefördert." Die Vernachlässigung führe häufig zu Verhaltensauffälligkeiten Jungs spielen dann den Klassenkasper - Sie gehen über Tische und Bänke. Mädchen dagegen träumen still vor sich hin." Aber nicht nur solche Verhaltensstörungen sind die Folge, wenn eine besondere Begabung nicht erkannt wird. „Die Kinder fangen an, sich gegen die Schule zu wehren", berichtet Gerstenberger-Ratzeburg aus dem Beratungsalltag und zählt mögliche Krankheiten auf, deren Ursachen in der Psyche des Kindes liegen: „Sie reichen vom Bauchweh am Morgen über Krampfanfälle bis hin zur Bulimie." Ab einem IQ von 130 ist übrigens von Hochbegabung die Rede. In Deutschland, so das Ergebnis von Schätzungen, gibt es derzeit 2,4 Millionen besonders begabte Schüler, die allerdings nicht ihrem Talent entsprechend unterrichtet werden. „Das muss sich dringend ändern", fordert die Wittenerin. Der Bedarf ist vorhanden, die Zahl der Beratung steigt. Auch in Krefeld: „Die Eltern sind inzwischen stark sensibilisiert - sie beobachten die Begabungen ihres Kindes viel genauer", bestätigt Michael Holte, Diplom-Psychologe beim Psychologischen Dienst der Stadt. Diese Beratungsstelle ist dem Fachbereich Schule zugeordnet „Die Krefelder Schulen widmen diesem Thema heute ebenfalls viel mehr Aufmerksamkeit als früher. Sie haben bereits entsprechende Förderprogramme gestartet oder andere Maßnahmen getroffen." Zudem sei das Überspringen einer Klasse jetzt leichter möglich. Doch nicht erst mit dem Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule beginnen die Probleme. Schon eine so genannte Leistungsdiagnostik im Kindergartenalter, wie sie das Institut zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen vornimmt, kann hilfreich sein. „Denn die Grundschule bewältigen hochbegabte Kinder mit Minimalaufwand", sagt Beate. Gerstenberger-Ratzeburg. „Und dabei lernen sie das Lernen nicht." So sei mancher kluge Kopf sogar schon vom Gymnasium zur Sonderschule durchgereicht worden. Anmeldungen für den Vortrag „ Schlechte Schüler müssen nicht dumm sein" nimmt das Gemeindezentrum unter Telefon 540181entgegen. Der Eintritt ist frei.