Institut zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen
Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg

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Fallbeispiele

04.01.2011

Kevin

Kevin ist 7 Jahre und  im 2. Schuljahr. Immer häufiger hat er Probleme mit der Rechtschreibung. Alles, was er schreibt, kann man kaum lesen. Die mündliche Mitarbeit ist gut, jedoch wirkt er oft gelangweilt und in der Zeit, wenn der Lernstoff vom Vortage wiederholt wird, liegt Kevin lang über dem Tisch und langweilt sich total. Einmal ist er sogar eingeschlafen. Die Lehrerin bittet die Eltern zu einem Gespräch. Sie vermutet Legasthenie und zu wenig Schlaf. Er wird in unserem Institut gestestet, man stellt einen IQ von 127 fest, Kevin ist überdurchschnittlich, d.h. besonders begabt. 

Annika

Annika ist 8 Jahre alt und besucht die dritte Klasse. Sie möchte einmal Tierärztin werden und liest alles was sie darüber finden kann. Tiere sind ohnehin ihr großes Hobby. Sie reitet gern und besitzt eigene Meerschweinchen, um die sie sich liebevoll kümmert sowie einen Hund, der allerdings allen Familienmitgliedern gehört. Wenn Annikas Mutter ruft, hört diese das häufig nicht. „Annika träumt wieder", heißt es dann nur. Doch manchmal wird dies lästig. Die Familie hat eine Einladung und muss sich beeilen um pünktlich zu sein. Mehrfach schon hat die Mutter gerufen, aber Annika wird nicht fertig. Sie vergisst sich anzuziehen, zu kämmen, sucht ihre Schuhe, findet zwischenzeitlich aber eine andere Beschäftigung und bringt die Familie zur Verzweifelung. So geht es immer. Annika soll die Spülmaschine ausräumen und vergisst es, sie soll etwas aus dem Keller holen und vergisst es, sie soll ihre Tante anrufen und vergisst es. Ebenso ist es mit dem Hausaufgaben. Immer wieder bekommt sie Einträge ins Heft mit dem Hinweis sie habe wieder die Hausaufgaben vergessen. Sie gibt zu Hause keine Briefe der Schule ab, sie vergisst die Termine der Klassenarbeiten und träumt auch in der Schule immer wieder, d.h. wenn sie angesprochen wird, weiß sie nicht, was gerade durchgenommen wurde. Wir testen Annika als hoch begabt und führen einen ADS-Test durch. Da die Werte passen, empfehlen wir den Eltern Annika zusätzlich einem Arzt vorzustellen. Dieser bestätigt die Diagnose ADS. Im Institut führen wir ein Einzeltraining mit Annika durch und helfen ihr somit, die Aufmerksamkeit nach und nach in die richtige Richtung zu lenken. Zusätzlich bekommt sie Unterstützung durch einen Heilpraktiker. Nach einer Weile kann man schon leichte Verbesserungen der Aufmerksamkeit bemerken. Jedoch benötigt Annika viel Geduld, bis sich eine deutliche Verbesserung einstellt.

 

Karl

Karl ist 7 Jahre alt, geht in die zweite Klasse und ist ein richtiger Zappelphillip. Das war er schon immer, selbst während der Schwangerschaft. Kaum auf der Welt schreit er wochenlang ohne Unterbrechung, und die Mutter hat alle Hände voll zu tun um ihn zu beruhigen. Auch die Beaufsichtigung des Kindes erweist sich als schwierig. Karl tobt ständig durch die Wohnung, kein Klettergerüst ist ihm zu hoch und ständig hat er irgendwelche Blessuren. Kaum ist er im Kindergarten, wird die Mutter regelmäßig kontaktiert um ihr die diversen Vergehen ihres Sohnes mitzuteilen. Auch in der Schule ist es nicht anders. Karl schreit in die Klasse, alles dauert ihm zu lange, er vergisst die Hausaufgaben oder wichtige Arbeitsmaterialien. Er vergisst nach dem Sportunterricht sogar die Schuhe und läuft barfuß nach Hause. Erst, als er sich am Fuß verletzt, bemerkt er die fehlenden Schuhe. „Man muss doch merken, wenn man keine Schuhe anhat", meint die Mutter, doch Karl verweist auf den gerade aktuellen Sommer. Die Mutter ist verzweifelt. Nirgends kann sie sich mit ihrem Kind blicken lassen. Auch Freunde hat Karl nicht mehr. Alle meiden ihn. Wir testen Karl als besonders begabt und führen einen ADHS-Test durch. Die Testverfahren und die Anamnese ergeben eindeutig den Verdacht auf ADHS. Aus diesem Grund verweisen wir die Eltern zusätzlich an einen Arzt, der die Diagnose überprüfen soll. Diese wird auch bestätigt. Im Institut wird deshalb ein Einzeltraining nach Krowatschek durchgeführt.

Max

Die Mutter von Max ruft verzweifelt im Institut an. Dieser ist 9 Jahre alt und in der dritten Klasse, die er bereits wiederholt. Sie berichtet, dass ihr Sohn schon im Kindergarten keine Zahlen mochte, eine Abneigung, die bis zum heutigen Tag bestehen würde. Er sei nicht in der Lage Mengen richtig einzuschätzen, leichte Additionsaufgaben würde er immer wieder falsch berechnen und Subtrahieren wäre nahezu unmöglich. Ihr Vater habe immer ähnliche Probleme gehabt, sei deshalb nur auf der Hauptschule gewesen, die er mit Ach und Krach gerade mal eben bestanden habe und sei in seinem Beruf immer unglücklich gewesen. Auch ihr selbst sei Mathe immer schwer gefallen. Sie sieht nun einen unglücklichen Max und möchte ihm das Schicksal ihres Vaters gern ersparen. Wir testen Max mit dem AID2, der einen IQ von 125 ergibt. Max ist also besonders begabt. Auch wird der ZAREKI, ein Test zur Erfassung von Dyskalkulie, durchgeführt. Hier sind alle gemessenen Werte weit unterdurchschnittlich. Der AID ergabt zusätzlich enorme Probleme in einigen relevanten Wahrnehmungsbereichen. Auch die Konzentrationsfähigkeit ist sehr gering. Dies zeigt sich bei beiden Testverfahren. Aufgrund der vielen Hinweise ergibt sich die Diagnose der Dyskalkulie. Wir führen mit Max ein Rechen-Coaching durch, das ihm, individuell auf ihn und seine Probleme abgestimmt, helfen soll, Zahlen und alle damit verbundenen Zusammenhänge besser zu erfassen. Ebenfalls gehört ein Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungstraining sowie ein Selbstbewusstseinstraining dazu. Mittlerweile besucht Max seit fast zwei Jahren das Institut und es zeigen sich deutlich Verbesserungen. Max besucht nun die Realschule, auf der es ihm gut gefällt.

Marlene

Marlene, 8 Jahre, 3. Klasse, hatte schon immer Probleme mit der Rechtschreibung. Zwar kann sie relativ gut lesen, liest aber erst seit Beginn des 3. Schuljahres zu Hause schon mal ein Buch. Marlenes Rechtschreibung ist recht eigenwillig. Mal schreibt sie Nomen groß, mal klein, mal schreibt sie ein Wort richtig, im nächsten Satz wieder falsch. Wörter mit ie schreibt sie grundsätzlich nur mit i und auch „in" und „ihn" verwechselt sie ständig. Ebenfalls Probleme bereiten ihr die Endungen t und d. Schreibt sie Berichte über ihre Pferde, schreibt sie in der Regel fast alles richtig. Nur in der Schule klappt das nicht so recht. Marlene wird getestet, der AID2 ergibt ein IQ-Äquivalent von 138. Marlene ist hoch begabt. Ein Legasthenie-/Lese-Rechtschreibtest ergibt geringe Prozentränge in der Groß- und Kleinschreibung sowie sehr viele orthographische Fehler. N-Fehler liegen nicht vor. Doch das Selbstbewusstsein liegt bei Marlene am Boden. Sie traut sich nichts zu, denn sie meint, sie sei zu dumm für die Schule. Alle anderen seien viel besser als sie. Marlene hat eine Lese-Rechtschreibschwäche oder auch Störung genannt, keine Legasthenie. Aber auch ihr hilft ein Lega-Coaching, welches individuell auf sie abgestimmt ist. Hierbei liegt aber der Schwerpunkt im „Umprogrammieren" des Gehirns von falsch gespeicherten Wörtern auf richtig zu schreibende Wörter. Auch das Selbstbewusstsein wird durch spezielle Maßnahmen aufgebaut. Innerhalb eines Jahres ist Marlene wieder fit.

Peter

Peter, 8 Jahre, 3. Klasse, hat enorme Probleme mit der Rechtschreibung. Schon seitdem er in der Schule ist, bemüht er sich verzweifelt, Buchstaben zu erfassen und diese zu einem Wort zusammenzuziehen. Aber es funktioniert nicht. Auch die Diktate sind für Peter eine Qual. Seit es in der dritten Klasse Noten gibt, die erwartungsgemäß sehr schlecht sind, sinkt Peters Selbstbewusstsein immer weiter. Er hält sich selbst für dumm und fragt sich, warum er eigentlich lebt, da ohnehin nichts bei ihm funktioniert. Die Eltern lassen Peter im Institut testen. Der AID2 misst einen IQ-Äquivalent von 130 mit einigen niedrigen Werten in Wahrnehmungsbereichen. Damit ist Peter hoch begabt. Ein weiterer Legasthenie-/Lese-Rechtschreibtest ergibt einen sehr geringen Prozentrang von unter 5%, wobei extrem viele nicht lauttreue Fehler (N-Fehler) vorzufinden sind. Eine ausführliche  Anamnese bestätigt eine Legasthenie, da die Mutter erzählt heute noch Probleme mit der Rechtschreibung zu haben. Peter bekommt ein Lega-Coaching in unserem Institut. Hierbei handelt es sich um ein individuelles Einzeltraining, welches nicht nur an der Rechtschreibung und am Lesen arbeitet, sondern auch ein Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits- und Selbstbewusstseinstraining beinhaltet. Das Programm wird individuell auf Peter abgestimmt. So wird Peter gezielt geholfen.