Institut zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen
Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg

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Fallbeispiele

02.01.2011

Sarah

Sarah, 10 Jahre, 5. Klasse Gymnasium, ist mit Leichtigkeit und guten Noten durch die Grundschulzeit gekommen. Dem entsprechend hat sie von ihrer Lehrerin eine Gymnasialempfehlung bekommen und keiner hatte Zweifel, dass dieses Kind je Probleme in der Schule bekommen würde, denn es lag auch ein entsprechender IQ-Test vor. Dieser wurde in der zweiten Klasse durchgeführt, da Sarah springen sollte. Er ergab einen Wert von 137, also lag eine sog. Hochbegabung vor und das Kind kam daraufhin sofort in die dritte Klasse.

In der Grundschule verlief alles problemlos. Doch nun, auf dem Gymnasium, hat Sarah häufiger Kopfschmerzen. Auch fällt es ihr schwer sich auf die Hausaufgaben zu konzentrieren und die Noten sind nach anfänglichen Supernoten jetzt im zweiten Halbjahr nur noch Mittelmaß. Das bedrückt sie sehr, denn sie möchte wie auch in der Grundschule zu den besten gehören. Mitschüler, die mit Sarah aus der Grundschule aufs Gymnasium gekommen sind, beginnen sie zu ärgern, wenn sie schlechtere Noten schreibt. Sarah zieht sich immer mehr zurück, der Zugang zu ihr wird immer schwieriger. Die Eltern können sich dies alles nicht erklären und suchen unser Institut auf.

Nach einer Analyse der Situation stellen wir fest, dass Sarah trotz des Springens keinerlei Lern- und Arbeitstechniken entwickelt hat. Sie war der Meinung, dass ihr auch auf der weiterführenden Schule genauso alles zufällt wie früher. Nun stößt sie auch als Hochbegabte an ihre Grenzen.

Ein intensives Lern- und Arbeitstechnik-Training sowie ein Konflikt-Coaching mit dem Schwerpunkt Anti-Mobbing-Training wird Sarah helfen wieder dauerhaft in der Schule zurechtzukommen. Hierbei lernt sie, wie sie sich besser auf eine Klassenarbeit vorbereiten kann, effektiver Hausaufgaben erledigt, Vokabeln ins Langzeitgedächtnis bekommt, aber auch, wie man sich gegen mobbende Mitschülerinnen zur Wehr setzt. Auch das Selbstbewusstsein wird in diesem Coaching-Programm wieder aufgebaut und das Selbstwertgefühl gestärkt. Dieses Procedere dauert ca. ein halbes Jahr und hat Sarah enorm geholfen besser mit der Schule klarzukommen und auch Misserfolge besser zu verkraften.

Anna

Anna besucht die 7. Klasse eines Gymnasiums. Bereits kurz nach der Umschulung von der Grundschule wird das sonst recht lebhafte Kind immer stiller. Auch die Zensuren ändern sich und werden immer schlechter. Es beginnt in Englisch, dann in Mathematik und schließlich ist auch Deutsch betroffen, ein Fach, in dem Anna immer gut war. In der Mitte des 6. Schuljahres rät die Schule den Eltern, das Kind auf eine Real- oder Gesamtschule zu geben, da es für ein Gymnasium nicht geeignet erscheint. Zeitgleich zu Beginn des 6. Schuljahres bekommt Anna eine Nasennebenhöhlenentzündung, die trotz diverser Medikamente nicht besser wird. Da die Eltern anderer Meinung als die Lehrer sind, lassen sie das Kind bei uns testen und erfahren, dass Anna einen IQ von 125 hat. Auch sie ist besonders begabt. Nach vielen Bemühungen gelingt es uns, Anna auf ein anderes Gymnasium umzuschulen und der Zustand bessert sich erheblich.

Marvin

Marvin besucht die 3. Klasse einer Grundschule, die er mit Leichtigkeit schafft. Gerne möchte er mehr leisten, doch die Lehrerin lehnt dies ab, da er den anderen dann zu weit voraus ist. Da Marvin in der Schule seit der ersten Klasse häufig andere Kinder ärgert, hält ihn die Lehrerin für sozial unreif. Deshalb lässt sie sich auch nicht auf die Diskussion ein, Marvin in die nächst höhere Klasse springen zu lassen. Schon im 2. Schuljahr beginnt Marvin einzunässen. War es zunächst nur nachts, weitet es sich immer stärker auch auf den Tag aus. Schließlich passiert es auch in der Schule. Die Mutter lässt das Kind gründlich untersuchen, aber eine organische Ursache scheidet aus. Da nur eine psychische Ursache der Grund dieser Enuresis sein kann, wird innerhalb der Familie nach den Ursachen gesucht. Zufällig ließt die Mutter einen Bericht über Hochbegabung und nimmt den Kontakt zu uns auf. Nach einem Test wird Marvin ein IQ von 123 bescheinigt. Er ist damit besonders begabt. Da die Schule nicht einsichtig ist, wird Marvin umgeschult und dort sofort in eine nächst höhere Klasse gegeben. Mit den gesteigerten Anforderungen ändert sich auch das Krankheitsbild. Marvin ist wieder gesund.

Lea

Lea besucht die 6. Klasse eines Gymnasiums. In der Grundschule gehörte sie immer mit zu den Besten, das Üben war für sie ein Fremdwort, sie konnte es einfach. Auf dem Gymnasium ändert sich ihr Verhalten. Lea wird immer stiller, die Leistungen immer schlechter. Es beginnt mit schlechten Noten im Englischen, später kommt Mathe dazu, dann die sogenannten mündlichen Fächer. Lea macht einfach nicht mehr mit. Schule ist ihr ein Gräuel. Ständig ist sie krank. Zu Hause dagegen löst Lea jede Quizaufgabe im Fernsehen, stellt eine eigene Internetseite ins Netz und chattet mit ihrer Freundin in Amerika. Dort klappt das Englische mühelos. Die verzweifelten Eltern kommen mit Lea zu uns ins Institut. Der von uns durchgeführte IQ - Test bescheinigt ihr einen IQ von 123, sie ist also überdurchschnittlich, d.h. besonders begabt.